Bischof Norbert Brunner im Jahresrückblick

Auf der Website von Kanal 9 kann man das am 24. Dezember 2010 ausgestrahlte Interview mit dem Bischof von Sitten/Sion Norbert Brunner abrufen.

In einem ersten Teil geht es vor allem um den Missbrauchs- und Vertuschungsskandal der Kindsmisshandlungen durch Priester. Brunner rechtfertigt seine Einstellung, gegen eine ’schwarze Liste’* zu sein, welche zentral Kleriker verzeichnet, welche sich an Kindern vergangen haben. Der jetzige Ablauf sei ausreichend. (Es wechsle ja kein Priester das Bistum ohne das Wissen eines Bischofs.)
*Wie von Abt Martin Werlen vorgeschlagen.

Er gibt sich insgesamt etwas weniger weinerlich und anklagend (was die Medien betrifft) als bei der Neujahrsrede vor den weltlichen Behörden.

In diesem Zusammenhang mag es vielleicht heilsam sein, sich die Predigt von Padre Benedetto Kindergebrauch durch katholische Priester plastisch vor Augen geführt anzusehen. Zugegeben: Das ist starker Tobak. Aber wenn in den Medien schlicht von «Verfehlungen» die Rede ist, denkt man oftmals vielleicht eher an eine Ohrfeige, oder an ein leichtes Ziehen an den Haaren. (Es kann natürlich sin, dass solche Sachen auch stattgefunden haben.) Das ganze Ausmass der «Verfehlungen» wird aber oftmals nicht wirklich bewusst gemacht.

In diesem Zusammenhang wurde auch schlichtweg genial formuliert: «Besser auf Gottes Pfaden wandeln als den Rechtsweg beschreiten». Dazu gibt es auch eine Predigt.

[Nebenbei: Der Padre hat auch zur Entlassung des Lehrers Abgottspon gepredigt. Sehens- und hörenswert!]

Ich denke, dass nicht alle Äusserungen von Brunner einen Kommentar aus säkularer Sicht benötigen, vieles spricht ja wohl für sich selbst.

Hier der Ausschnitt, der sich um die so genannte Kruzifix-Affäre dreht.

Danach wird über Kirchensteuern und die Trennung von Staat und Kirche/Religion (am Beispiel Wallis) gesprochen.

Danach wird das Thema Schule, Rituale, Lehrplan 21, Religionsunterricht, religiöse Kleinkinderziehung, Sexualkundeunterricht, «Versexualisierung», Kondome … diskutiert.

Vielleicht fällt es nicht allzu vielen Leuten auf, im Abschnitt «Schule etc.» ab Minute 3:20 äussert sich der Bischof wie folgt:

Und für jene Eltern, welche absolut nicht wollen [gemeint ist: an der Vorbereitung zur Ritualen wie Erstkommunion teilnehmen], und das Kind möchte doch, da organisiert die Pfarrei es doch noch, dass denjenigen Kinder, welche wirklich möchten, jedoch die Eltern absolut nichts davon [Vorbereitung] wissen wollen, trotzdem die Erstkommunion und die erste Beichte erleben dürfen.

Ich hoffe, und nehme als advocatus dei sive episcopi an, dass er damit nicht beschreibt, dass diesen Kindern das Ritual der Erstkommunion oder ersten Beichte GEGEN den expliziten Willen der Eltern ermöglicht wird.

Die Kirche (da unterstelle ich nichts) ist es ja übrigens immer wieder, welche sich dafür einsetzt, dass das Mündigkeitsalter in Religionsfragen nicht etwa auf 12 oder 14 Jahre heruntergesetzt wird.

Ich halte die Weigerung der Eltern, sich an den Vorbereitungsarbeiten zu religiösen Handlungen zu beteiligen übrigens eigentlich als Tatbeweis ihres Unwillens, dass das Kind sich diesen Ritualen unterzieht. Ansonsten ist die Kirche eigentlich stets auf der Seite der Eltern. Sicherlich würde sie sich nicht dafür einsetzen, dass auch schon Primarschüler das Recht erhielten, sich vom Religions- und Bibelunterricht selbständig (ich meine ohne elterliche Einwilligung) abzumelden. Ihnen aber ohne wirkliche elterliche Einwilligung Rituale angedeihen zu lassen, das scheint eher in Ordnung zu sein. Für mich ist das alles ziemlich asymmetrisch…

Das ganze Interview findet sich auf der Homepage von Kanal 9 und hier.

Über Valentin Abgottspon

Philosoph, Germanist, Lehrer. Wurde am 8. Oktober 2010, nachdem er sich für säkulare staatliche Schulen auch im katholisch geprägten Wallis einsetzte, und sich z.B. weigerte, ein Kruzifix in seinem Schulzimmer zu akzeptieren, fristlos entlassen.
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3 Responses to Bischof Norbert Brunner im Jahresrückblick

  1. Andy sagt:

    Wie schön (aber leider nicht ganz richtig herum) er das auch zitiert hat: «Glaubst du noch oder denkst du schon?»

  2. Andy sagt:

    Wie schön (aber leider nicht ganz richtig herum) er das auch zitiert hat: “Glaubst du noch oder denkst du schon?”. Seine Version «Glaubst du schon oder denkst du noch?» hat doch deutlich mehr Pepp :p

  3. Hans V. sagt:

    Was für ein Geschwafel!

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