Nach Jesu Vorbild leben, zu intelligenteren Einsichten kommen und glücklicher werden [Fanpost]

Hier sehr gutartige Post. Ich nehme trotzdem nicht an, dass sich meine Ansichten in die gewünschte Richtung verändern werden.

Als Antwort (welche ich ihr auch brieflich zugesandt habe): Nein, ich störe mich nicht nur an der Amstkirche oder dem so genannten angeblichen Bodenpersonal Gottes oder Jesu. Natürlich habe ich Konflikte nur mit diesen selbst ernannten Repräsentanten einer angeblichen höheren Macht. Bisweilen verwundert mich dann übrigens, dass diese Repräsentanten nicht etwa nur die Amtsträger in der Kirche sind, sondern auch die Beamten des Kantons Wallis und der Region Stalden sich als Verteidiger ihres Gottes und ihrer Religion berufen fühlen. Wie könnte ich denn auch mit ‚höheren Mächten‘ Konflikte haben, von denen ich überzeugt bin, dass sie nicht existieren?

Ich finde es begrüssenswert, wenn Leute aus ihrer Religiosität heraus Güte, Verzeihung, Gewaltlosigkeit und so weiter leben und leben wollen. Tatsächlich, dann sind die Menschenrechte vielleicht wirklich nicht in Gefahr.

Erstens ist es aber möglich, dass man aus Religiosität tatsächlich Handlungsanleitungen zieht, welche die Menschenrechte gefährden und verletzen (und zwar nicht nur für den Gläubigen oder die Gläubige selber, sondern dann auch vorschreibend für andere und womöglich gar die Gesamtgesellschaft). [Z.B. Verachtung gegenüber Andersdenkenden, Homosexuellen, Diskriminierung von Frauen, Genitalverstümmelung bei Mädchen usw…]

Zweitens ist es nicht genügend, wenn man die Menschenrechte auf ein exklusiv religiöses Fundament bauen will. Faktisch lehnen viele Leute Religionen ab und bezweifeln die Existenz supranaturaler Entitäten. WENN man Ethik (ausschliesslich oder vorwiegend) auf religiöse Fundamente baut, DANN würde diese Ethik ja für Religionslose nicht gelten.

Wenn Bruder Spaghettus sagen würde: «Ich verhalte mich ethisch und nett, weil mich mein Glaube an das Fliegende Spaghettimonster dazu veranlasst.» würde man wohl antworten: «Gut für dich!» Man würde wohl nicht fordern, dass deshalb alle Menschen ans FSM glauben sollen, dass in sämtlichen Schulen FSM-Bilder aufgehängt werden sollen und im Unterricht über das FSM gesprochen werden muss.

Ich verfüge übrigens nicht über eine tiefe seelische Verwundung. Ich verfüge nicht einmal über eine Seele.

Die Verfasserin der Zuschrift hat übrigens den Radioauftritt in der Sendung Doppelpunkt bei Radio DRS gehört.

Dieser Radioauftritt war Meinung nach durchaus gelungen. Ich habe darin auch den neuen Terminus des «Fankhauser-Tests» in die Religions- und Kulturwissenschaft sowie Semiotik eingeführt.

In dieser Sendung ging es um das Thema: «Wie sichtbar darf Religion sein?»

Es diskutierten:

    * Daria Pezzoli-Olgiati, Professorin für Religionswissenschaft
    * Beda Meier, Leiter der kantonalen Integrationsförderung St. Gallen
    * Valentin Abgottspon, Lehrer

Lieber Herr Abgottspon,

Gestern Abend habe ich die Sendung Dopelpunkt angehört.
Nun drängt es mich, Ihnen zu melden, was ich von Ihren Ausführungen
ganz schwach empfunden habe.

Sie leiden wie ich unter vielen unmenschlichen Gesetzen unserer
«Amtskirche». Ich sage dem «Apparat». Doch davon bin ich als
erwachsene, mündige Christin nicht abhängig.

Ich kann und will deswegen nicht die Beziehung zu Jesus aufgeben.

Im Gegenteil!

Wenn wir nach seinem Beispiel uns bemühen, gütig, verzeihend,
gewaltlos und wenn nötig leidensbereit allen Mitmenschen zu begegnen,
dann sind die Menschenrechte nicht in Gefahr.

Dass Sie diese eigenständige Möglichkeit nicht mehr sehen, zeigt mir
eine tiefe seelische Verwundung in Ihnen.

Da Sie aber vermutlich noch jung genug sind, weiter zu lernen und zu
reifen,
glaube ich auch , dass Sie zu intelligenteren Einsichten kommen und
glücklicher werden können.

Freundlich grüsst Sie aus dem Baselbiet

Reinach, 20.0kt.2010

[Unterschrift und gestempelte Adresse]

21_10_10ReinachG

Link zur PDF-Datei.

Über Valentin Abgottspon

Philosoph, Germanist, Lehrer. Wurde am 8. Oktober 2010, nachdem er sich für säkulare staatliche Schulen auch im katholisch geprägten Wallis einsetzte, und sich z.B. weigerte, ein Kruzifix in seinem Schulzimmer zu akzeptieren, fristlos entlassen.
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