Wahrscheinlich handelt es sich bei diesem das Fähnlein in den Wind stellenden Aufrechten um die selbe Person, die am 12. Oktober 2010 zum Suizid aufgefordert hat. Es handelt sich um einen meiner Lieblingsbriefezusender! Er bezeichnet sich ja auch selber als mein ‚Freund‘.
Es beginnt schon mit der Adresse:
Herrn
Valentin Abgottspon Student
in der Lehre für OS Unterricht
3922 Stalden VS
Ich bin nicht in der Lehre, sondern auf der Universität eingeschrieben. Zudem nicht «für OS Unterricht», sondern für den Unterricht am Gymnasium.
Herrn
Valentin Abgottspon Student
in der Lehre für OS Unterricht
3922 Stalden VSVisp,19.10.2010
Kündigung
Sehr geehrter Herr Erpresser,
Kommen Sie doch endlich zur Einsicht bei Jhnen fehlt
die Fähigkeit für Unterricht in einer Schule.Jeder
Mensch hat seine Ausbildung,der eine Arzt der andere
Lehrer,Schlosser oder Mechfür Sie am besten Handlanger.
Keine Gemeinde möchte aber einen Erpresser wie Sie in
einer Schule.Es gibt doch heute Hilfsmittel wie Ratten-
gift,oder andere Unkrautvertilger die helfen einem Er-
presser zum Abschluss einer Angelegenheit.Mit Gruss ein Freund
Es wäre interessant zu erfahren, wieso ich ein Erpresser sei. Etwa weil ich säkulare Schulen fordere? Weil ich auch im Wallis verfassungskonforme Zustände einfordere?
Dass mich mein Freund zum Selbstmord aufruft, ist schon fast nicht mehr der Rede wert. Ich bin jetzt aber sogar dehumanisiert worden, Ratten und Unkraut sind mir ähnlicher als Menschen. Oder sollte das etwa keine Anweisung sein, meinem Leben ein Ende zu setzen?
Im Brief findet sich auch ein aufgeklebter Ausschnitt aus einer Zeitung.
Zur Schutzbehauptung, dass es um Vertrauen gegangen sei, dass meine Haltung gegenüber der Schulkommission nicht mehr tragbar gewesen sei, dass meine Kündigung nicht wegen des Widerstands gegen das Kruzifix ausgesprochen worden war, werden sich wahrscheinlich bald die Gerichte äussern.
Ich vermag jedenfalls jetzt schon festzuhalten: Immer wenn ich für eine Handlung die Zustimmung des islamischen Zentralrates Schweiz erhalten würde, ginge ich sehr schnell in mich und würde mich fragen, ob ich auf der richtigen Seite der Sache stehe. Die Herstellung religiöser Neutralität an öffentlichen, staatlichen Schulen ist kein Akt der religiösen oder areligiösen Intoleranz, sondern ein Gebot des säkularen Staatswesesn. Diese Neutralität sollte zudem nicht erst auf Verlangen von Betroffenen hergestellt werden, (welche oftmals mit gravierenden Konsequenzen und Diskriminierung zu bezahlen haben) sondern sollte von Amtes wegen hergestellt werden.
Ich kann hier zudem wiederholen, was auch schon im Eintrag vom 22. Januar 2011 von mir geschrieben wurde:
Ich verfüge aktuell über kein stufengerechtes Lehrerdiplom für den Unterricht an der Stufe Sek. I (im Oberwallis: Orientierungsschule, 7. bis 9. Schuljahr der obligatorischen Schulzeit). Dies ist übrigens bei 42* Lehrern (in Worten: zweiundvierzig) im Oberwallis der Fall. Das sind an die 10 Prozent der Lehrerschaft. Nur sehr wenige (ich habe mal gehört, es seien unter 10 Personen) haben sich überhaupt zu einer Nachqualifikation eingeschrieben. Ich habe mich zu einer Nachqualifikation bereit erklärt, bin an der Universität Freiburg im Üechtland eingeschrieben (Ziel: Gymnasiallehrerdiplom mit den Fächern Deutsch und Philosophie). Ich hatte mein Studium (Lizentiat Germanistik/Philosophie) im Oktober 2006 auf Eis gelegt, weil an der Orientierungsschule Stalden eine Lehrperson krankheitshalber ausgefallen ist. Die Orientierungsschule war äusserst froh und dankbar, in mir einen Ersatz und eine gute Lösung gefunden zu haben. Ich habe dann bis und mit Schuljahr 2008/09 jeweils im Vollpensum in Stalden unterrichtet. Seit Schuljahr 2009/2010 unterrichtete ich jeweils etwa 70 bis 75 % und war daneben (jeweils einen Tag pro Woche) an der Universität.
*Die Zahl von 42 habe ich hier in meinen Notizen, ob sie auch genau stimmt, wäre bei der Dienststelle für Unterrichtswesen in Erfahrung zu bringen, ich bin jedoch sicher, dass es allein im Oberwallis über 30 Personen sind. Es hat KEINE EINZIGE (ausser mir, freilich) dieser Lehrpersonen eine fristlose Kündigung erhalten…
Link auf die PDF-Datei.