vita imitatur artem Hommage an Spitzweg Der arme Poet

Es ist zwar ein etwas unscharfes Handyfoto, trotzdem soll hier dokumentiert sein, dass ich es damals ausreichend witzig fand, in dieser Stellung zu posieren. Das war im November 2006 in Freiburg im Üechtland, court-chemin 15, Dachstockwohnung. Herzlichen Dank an die Fotografin Eva Dietl!

Munchs Schreier habe ich aber nie angemessen realistisch zu imitieren vermocht.

Auf dem Bett liegt übrigens entweder Arno Schmidts Abend mit Goldrand
oder Die Schule der Atheisten.

Das im Hintergrund aufgehängte Bild ist Der arme Poet von Carl Spitzweg.



Ich habe dereinst auch Texte von Spitzweg gelesen, wahrscheinlich das Büchlein Und abends tu ich dichten. Gedichte und Zeichnungen. Jedenfalls habe ich notiert: «liebe aber eher langweilige Biedermeiereien».

Vielleicht passt ja ein Gedicht von Wilhelm Busch ganz gut dazu:

Der Einsame

Wer einsam ist, der hat es gut,
Weil keiner da, der ihm was tut.
Ihn stört in seinem Lustrevier
Kein Tier, kein Mensch und kein Klavier,
Und niemand gibt ihm weise Lehren,
Die gut gemeint und bös zu hören.
Der Welt entronnen, geht er still
In Filzpantoffeln, wann er will.
Sogar im Schlafrock wandelt er
Bequem den ganzen Tag umher.
Er kennt kein weibliches Verbot,
Drum raucht und dampft er wie ein Schlot.
Geschützt vor fremden Späherblicken,
Kann er sich selbst die Hose flicken.
Liebt er Musik, so darf er flöten,
Um angenehm die Zeit zu töten,
Und laut und kräftig darf er prusten,
Und ohne Rücksicht darf er husten,
Und allgemach vergißt man seiner.
Nur allerhöchstens fragt mal einer:
Was, lebt er noch? Ei, Schwerenot,
Ich dachte längst, er wäre tot.
Kurz, abgesehen vom Steuerzahlen,
Läßt sich das Glück nicht schöner malen.
Worauf denn auch der Satz beruht:
Wer einsam ist, der hat es gut.

Zwei weitere schöne und einigermassen berühmte Bilder Spitzwegs sind Der Bücherwurm:

und Der Kaktusliebhaber, bei welchem der Kaktus fast sympathischer, lebendiger auschaut als der (Spiegel-)Mensch… Jedenfalls verneigen sich die beiden vor einander.

Über Valentin Abgottspon

Philosoph, Germanist, Lehrer. Wurde am 8. Oktober 2010, nachdem er sich für säkulare staatliche Schulen auch im katholisch geprägten Wallis einsetzte, und sich z.B. weigerte, ein Kruzifix in seinem Schulzimmer zu akzeptieren, fristlos entlassen.
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