Loyalitätsfragen, das Wallis als Kanton mit schlechtem Ruf

Im Walliser Boten vom 3. Februar 2011 war vor allem vom Stunk im Erziehungswesen des Kantons Wallis zu lesen. Im Walliser Boten vom 2. Februar war folgender Artikel (eine sda-Meldung) zu lesen:

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Siehe auch www.1815.ch.

Es ist doch immer wieder ärgerlich, dass das Wallis nicht aus den Negativschlagzeilen herauskommt. Natürlich: Fast alles am Negativimage ist hausgemacht und selbstverschuldet, also verdient und ‚hart erarbeitet‘. Es schmerzt aber halt doch, wenn man sich vor der Restschweiz immer wieder ein bisschen für seine Regierung und Beamten, für die Zustände insgesamt schämen muss. Es heisst ja, dass das Volk jene Regierung bekommt, die es verdient. Hier im Wallis ist das sicherlich nicht der Fall. Die Bewohner dieses schönen Tales haben Besseres verdient.

Anlässlich der wieder zu Diskussionen Anlass gebenden Verhältnisse im Walliser Spitalwesen ist mir eingefallen, dass ich mich im Oktober und November 2010 sehr ungleich behandelt gefühlt habe, als Maurice Tornay seinen TV-Apéro-Chirurgen verteidigte, und Claude Roch mich fallen liess wie der Teufel einen Schneeball aus Weihwasserschnee. Oder halt nicht nur fallen liess, sondern in die Hölle stiess.

Sachverhalt: Wie man www.1815.ch entnehmen kann, wurde einem Chirurgen vorgeworfen, dass er während einer Operation an ein Apéro gegangen sei und währends OPs Fussballübertragungen geschaut hatte. Mindestens der Vorwurf, dass er alkoholisiert operiert habe, ist ja mittlerweile anscheinend vom (Operations-)Tisch. Es geht aber trotzdem um einen Chirurgen, der wohl durch seine Art des Praktizierens Menschenleben in Gefahr brachte. Nicht so schlimm, scheint es. Da stellt sich gerne ein Staatsrat (nämlich Maurice Tornay, CVP) vor die betreffende Person, findet lobende, relativierende und entschuldigende Worte.
Wenn aber eine Lehrperson daher kommt, und Forderungen stellt, welche tout-à-fait d’accord gehen mit der Bundesverfassung, ist das nicht nur kein Grund, diese Lehrperson, diesen – sagen wir: couragierten Staatsbürger – vor überforderten Kommunalbehörden in Schutz zu nehmen. Nein, es wird sogar falsch, schlecht, ungenügend, nahezu verleumderisch informiert (wobei hier das Verb ‚behaupten‘ vielleicht angebrachter wäre als das Verb ‚informieren‘).

Es liegt hier jedenfalls eine estrem asymmetrische Verhaltensweise vor. Einerseits ein apologetischer Staatsrat für einen Mediziner und andererseits ein anklagender, von der Schuldsvermutung ausgehender Staatsrat bei einer Lehrperson. Für mich ist dieser Unterschied frappierend, oder zu deutsch: Schlagend.

Das komplette Interview (inlusive dem Tipp-Ex-Apologie-Part) findet sich auf der Webseite von Canal 9.

Kommentar: Insgesamt scheint Claude Roch hier sehr schlecht (oder tendenziös) informiert (worden) zu sein. Er spricht davon, dass ich mit Medien ins Innere des Schulhaus gekommen wäre. Die Sache verhält sich folgendermassen:

Ich war stets darauf bedacht, dass meine säkulare Haltung während des Unterrichts niemals Thema ist. Zudem war mir bekannt, dass die Schulbehörde nicht wünschte, dass z.B. Fotos oder ähnliches im Schulhaus gemacht werden. Am 21. September 2010 hatte ich mit dem Journalisten Walter Bellwald um 15.40 Uhr im Restaurant Hohlgässli in Stalden (etwa 50 Meter oberhalb des Schulareals gelegen) einen Interviewtermin. Wir haben dort etwa eine Stunde gesprochen, er brauchte dann noch Film- und Fotomaterial, ich hatte ihm dann auch gesagt, dass ich nicht wolle, dass wir innerhalb des Schulhauses Film- oder Bildaufnahmen machen. Wir liefen dann durch das Teppenhaus des Schulhauses zur unteren Seite desselben. Zu dieser Zeit (gegen 16.45 oder so) waren im Schulhaus keinerlei Schüler anwesend. Das Schulhaus ist geöffnet, jedermann und jedefrau kann es betreten. Wie der Staatsrat informiert wurde (oder sich hat informieren lassen) ist mir nicht bekannt. Es könnte aber durchaus sein, dass bei ihm der Eindruck erweckt werden sollte/wurde, ich hätte etwa ein Kamerateam während des Unterrichts im Zimmer gehabt. So scheint mir jedenfalls seine Bemerkung zu interpretieren sein. Hätte er gewusst, dass man nur das Treppenhaus für etwa zweieinhalb Minuten benutzt hat, wäre es wohl kaum nötig, solcherlei Bagatelle in einem Interview zu erwähnen. Zudem: Als ich das Schweizer Fernsehen für die Bergdorf-Fussball-Europameisterschaft 2008 im Unterrichtsraum hatte, war daran übrigens nichts Rügenswertes.

Diese Aussagen würde der Journalist (ich habe ihn dazu telefonisch befragt) auch vor Gericht oder schrifltich bestätigen.

Zu vielen der anderen Anwürfe darf sich Claude Roch das Gutachten von Prof. Dr. Schefer durchlesen.

Nun ist es ja nicht so, dass ich von Roch erwarte, dass er einer Person, welche das gegenwärtige Régime und die Zustände im Erziehungswesen des Kantons kritisch hinterfragt, gleich um den Hals fällt, und sie in allen Punkten unhinterfragt unterstützt und in Schutz nimmt. Aber in der Tendenz stets GEGEN die Fakten, stets GEGEN die Verfassung, stets GEGEN die Unschuldsvermutung, stets GEGEN die Gebote der Fairness sich zu äussern, stets blind vertrauend auf die Behauptungen der fristlos kündenden Behörde, das ist dann wohl auch nicht gerade die korrekte Art…

Das ganze vermag auch nicht wirklich dadurch relativiert zu werden, wenn ich hier die Bemerkung eines Journalisten wiedergebe, nachdem ich ihm mein Leid mit dem Departementsvorsteher geklagt hatte:

[…] Naja, du musst wissen: Roch ist noch nie durch sonderlich gute Dossierkenntnis aufgefallen, da wird er wohl nicht in seiner letzten Amtszeit beginnen, seiner Linie untreu zu werden…

Über Valentin Abgottspon

Philosoph, Germanist, Lehrer. Wurde am 8. Oktober 2010, nachdem er sich für säkulare staatliche Schulen auch im katholisch geprägten Wallis einsetzte, und sich z.B. weigerte, ein Kruzifix in seinem Schulzimmer zu akzeptieren, fristlos entlassen.
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